Hippotherapie: Stärkung durch die Kraft der Pferde

Die Bewegung auf und mit dem Pferd und der enge Kontakt zu ihm schenken Freude und Selbstvertrauen. Menschen mit besonderen Bedürfnissen profitieren besonders von ihnen. Diese positiven Effekte machen sich auch im Alltag vielseitig bemerkbar.

Hippotherapie ist die physiotherapeutische Form des therapeutischen Reitens. Speziell ausgebildete Physiotherapeutinnen führen die Behandlungen auf neurophysiologischer Grundlage durch.

Wie funktioniert die Hippotherapie?

Für wen ist Hippotherapie geeignet?

Die dreidimensionale Schwingung des Pferderückens in der Gangart "Schritt" bewegt das Becken des Patienten ähnlich wie beim Gehen. Der Körper reagiert mit Tonus-Anpassung, Aktivierung der Tiefenmuskulatur, funktionelle Mobilisation der Gelenke und Gleichgewichtsreaktionen ohne es „zu merken“. Die Freude am Zusammensein mit dem Pferd steht im Vordergrund und der therapeutische Effekt passiert quasi nebenher.

Dieses gangspezifische Rumpftraining ist besonders für Patienten, die wenig oder gar nicht laufen können und somit auf den Rollstuhl angewiesen sind, sehr wichtig und effektiv.

Verbesserung der Haltung und des Gleichgewichts

Das Sitzen auf dem Pferderücken erfordert eine aktive Beteiligung der Rumpfmuskulatur, sowohl Oberflächen- als auch Tiefenmuskulatur. Dies fördert die Aufrichtung, Gleichgesichtsreaktionen, die Kopfkontrolle und die Orientierung im Raum.

Sensorische Stimulation

Die taktile Wahrnehmung des Pferdefells und die Bewegung des Pferdes fördern sensorische Stimulationen. Dies kann die Interaktion mit der Umwelt verbessern. Auch die Mundmotorik und damit der Spracherwerb kann positiv beeinflusst werden.

Hippotherapie ist kein Reiten, sondern eine umfassende, ganzheitliche Behandlungsmöglichkeit, wie sie mit herkömmlichen physiotherapeutischen Methoden nicht erreichbar sind.

Durch die einzigartige Verbindung zwischen Pferd und Mensch bietet diese Form der Therapie eine unterstützende und motivierende Umgebung, in der Kinder mit besonderen Bedürfnissen auf eine positive Entwicklung hinarbeiten können.

Hippotherapie ist eine wertvolle Dauertherapie. Da viele unserer Patienten – insbesondere Kinder – uns über viele Jahre hinweg regelmäßig besuchen, entsteht eine tiefe Vertrauensbasis, die den Therapieerfolg nachhaltig unterstützt.

Wir behandeln ein breites Spektrum neurologischer Krankheitsbilder:

  • Angeborene Erkrankungen: Genetische Abweichungen (z. B. Trisomie 21 / Down-Syndrom), Muskeldystrophien, Ataxien, Spina Bifida und weitere Entwicklungsverzögerungen

  • Erworbene Erkrankungen: Infantile Zerebralparese (ICP), Zustand nach Schlaganfall oder Hirnblutungen, Multiple Sklerose (MS), Querschnittlähmungen

Wichtige Voraussetzungen für die Teilnahme: Um die Sicherheit und das Wohlbefinden von Mensch und Pferd zu gewährleisten, gibt es zwei formale Rahmenbedingungen:

  • Das Mindestalter für Kinder liegt bei 3 Jahren.

  • Bei Erwachsenen gilt eine Gewichtsobergrenze von 70 kg.

Lassen Sie uns darüber sprechen: Jedes Schicksal ist individuell. Gerne klären wir in einem persönlichen Gespräch, ob die Hippotherapie für Sie oder Ihr Kind der richtige Weg ist.

Wichtiger Hinweis zur Abgrenzung:

Da unser Fokus ausschließlich auf der Hippotherapie als medizinisch-physiotherapeutische Maßnahme liegt, bieten wir kein heilpädagogisches Reiten an.

Unser Angebot ist daher nicht für Patient:innen mit vorrangig pädagogischem oder psychologischem Förderbedarf geeignet.

Dazu zählen unter anderem:

  • ADHS / ADS

  • Mutismus

  • Traumaerfahrungen

  • Verhaltensauffälligkeiten

Für diese Bedürfnisse empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit spezialisierten Einrichtungen für Heilpädagogisches Reiten oder Voltigieren.
Wir beraten Sie gerne, falls Sie unsicher sind, in welchen Bereich Ihre Diagnose fällt.

Therapie bei uns: Gemeinsam Potenziale entfalten

Jeder Mensch ist einzigartig. Deshalb ist unsere Hippotherapie keine Standardlösung, sondern eine individuell angepasste Förderung. Unser Ziel ist es, die körperlichen und mentalen Möglichkeiten jedes Einzelnen bestmöglich zu unterstützen.

Wann und wo? Nach Absprache öffnet die Reithalle in Taufkirchen (Vils) ihre Türen für unsere Therapiestunden.

Wir sind ein Verein, der zusammenhält! Durch Spendengelder gelingt es uns, die finanzielle Belastung für die Familien minimal zu halten. Die Kosten für die Therapieblöcke sind dabei altersgerecht gestaffelt. Als Verein leben wir vom gegenseitigen Geben und Nehmen: Ein kleines Engagement der Familien (wie z. B. eine Unterstützung bei Veranstaltungen) hilft uns, unsere Mission langfristig zu sichern.

Interesse geweckt? Für den Start ist lediglich eine ärztliche Verordnung nötig. Wenn Sie Fragen haben oder uns kennenlernen möchten, freuen wir uns über Ihre Nachricht!